Interview: Femna Health

... ein weiteres Unternehmen stellt sich vor!

 FEMNA Health ist die erste Tele-Medizin Plattform für Frauen in Deutschland mit einem integrativen Ansatz, der die Schulmedizin und Naturheilkunde vereint. FEMNA bietet Selbsttests für Frauen & ganzheitliche Beratung Online in den Bereichen hormonelle, sexuelle und vaginale Gesundheit. Mit der Gründerin von FEMNA Health, Maxie Matthiessen, haben wir ein Interview geführt und dabei über Feminismus, die Medizin-branche und frauenfreundliches Arbeiten gesprochen.

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

Was ist Deiner Meinung nach ein feministisches Unternehmen?

Also so wie wir das verstehen, geht es ganz stark um Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Und das bedeutet bei FEMNA ganz konkret, dass die Frauen – auch als Mütter - Führungspositionen haben oder Part-time bzw. 80 Prozent arbeiten können. Weil sie ansonsten Kinder und Arbeit nicht unter einen Hut kriegen würden. Ich glaube, da ist FEMNA in der Medizinbranche Vorreiter. Wir sehen uns als ein Telemedizinunternehmen, dass Frauen ermöglicht, ihre Kinder gut in ihren Arbeitsalltag zu integrieren.

Der Begriff Feminismus wird ja sehr unterschiedlich gedeutet. Aber für mich ist der Hauptteil Gleichberechtigung und Gender Equality und das auch am Arbeitsplatz. Da sind die Medizin und das Krankenhauswesen in Deutschland leider noch extrem konservativ. Ich ziehe dann immer einen starken Vergleich zu Dänemark, weil ich lange in Dänemark studiert habe. Meine Schwester war auch erst in Dänemark Ärztin und arbeitet jetzt in Deutschland. Sie sagt immer, alle ihre dänischen Kolleginnen machen Karriere mit Kind und Kegel. In Deutschland dagegen gibt es zum Beispiel keine 80 %- Stellen für Frauen an der Charité.

Und durch das Online-Format bietet Ihr ja auch noch zusätzliche Flexibilität, oder?

Absolut. Das sehen wir von der Patientinnenseite. Frauen können uns ab 20 Uhr buchen, wenn die Kinder im Bett sind. Und das gleiche gilt dann auch für die Beraterinnen: Auch sie können ihre Termine flexibel und auch nach 20 Uhr legen oder zum Beispiel an Sonntagen arbeiten, wenn ihr Mann zu Hause ist und sich um die Kinder kümmern kann.

Würdest Du dann FEMNA als ein feministisches Unternehmen bezeichnen?

Ich bezeichne uns eher als frauenfreundlich. Ob das jetzt feministisch ist, weiß ich nicht. Die Genderdebatte ist ja sehr breit gefächert. Bei uns ist es so, wenn eine Transfrau oder ein Transmann nach einem Hormontest bei uns fragen würde, könnten wir den nicht durchführen, weil diese Personen häufig synthetische Hormone zu sich nehmen. Damit schließen wir natürlich eine bestimmte Gruppe aus, indem wir uns nur auf die klassische Frau konzentrieren. Hormontests sind noch sehr gender-binär (Anmerkung: also auf die Unterscheidung von Mann und Frau) ausgelegt. Deswegen weiß ich nicht, ob der Begriff feministisch auf uns passt, weil der Begriff feministisch für mich breiter ist. Deswegen würde ich uns eher als frauenfreundliches Unternehmen im klassischen Sinne bezeichnen.

Gibt es Aspekte der Themen Diversität, Inklusion und Gleichstellung, die Du oder Ihr als besonders wichtig erachtet?

Das Thema Gendermedizin würde ich da auf jeden Fall darunter fassen. Dass Frauen in der Forschung mehr Beachtung finden sollten, das ist für uns ein allumfassendes Thema. Deshalb versuchen wir einen gendermedizinischen Ansatz zu verfolgen. Das bedeutet, dass wir beispielsweise unseren neuesten Test auf Geschlechtskrankheiten, den wir gelauncht haben, direkt auf die Frau zugeschnitten haben. Dafür braucht es dann ein breiteres Test-Kit, das mehr Erkrankungen erfassen kann. Oder unser Hormontest, der das Zyklusfenster der Frau berücksichtigt. Das ist in einer normalen Arzt:Ärztinnenpraxis schwer zu koordinieren, weil der Zyklus ambulant bei der Terminwahl oft nicht berücksichtigt werden kann.

Außerdem verstehen wir uns als Social Business. Wir arbeiten zum Beispiel mit einem Versanddienstleister und Verpackungsunternehmen zusammen, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten. Das gehört für uns dazu, also dass man sich als Teil der Gesellschaft betrachtet, der etwas beizutragen hat und nicht nur versucht, alles rauszuholen, was möglich ist. Dass man viel eher ein Verständnis dafür entwickeln sollte, dass man einen Beitrag zu leisten hat als Firma.

Das passt auch direkt zur nächsten Frage: Hast Du Beispiele, wie Diversität in Deinem Unternehmen etabliert wurde oder wie Ihr das angegangen seid?

Genau, einiges hatte ich ja schon gesagt. Was eventuell auch noch eine Rolle spielt, ist die Gehaltsfrage. Am Anfang habe ich ungefähr ein Jahr lang bei uns im Unternehmen als Chefin am schlechtesten verdient. Mittlerweile kann ich mir auch ein Gehalt leisten, das marktüblich ist und verdiene auch ein klitzekleines bisschen mehr als der Rest, ein paar hundert Euro mehr pro Monat. Aber das ist ja auch nicht immer so: Es gibt eben auch Unternehmen, in denen das Management das 3000-fache verdient, von dem, der am wenigsten bezahlt und da würde ich sagen, ist der Faktor bei FEMNA wahrscheinlich bei eins komma null zwei oder so. Für mich ist sowas auch ein Aspekt.

Maxie und Frauen aus ihrem Team von FEMNA

Welche Tipps möchtest Du unserer Community mit auf den Weg geben?

Ich glaube es macht sehr attraktiv als Arbeitgeberin, wenn man diese Werte vertritt und auch mit anbietet, weil es Leute mit sehr viel Kreativität anzieht. Und auch Leute, denen genau diese Werte wichtig sind und sehr, sehr gut und hochmotiviert sind, woanders aber nicht die Möglichkeiten bekommen, diese in ihrer Arbeit zu leben. Das ist für mich definitiv eine Win-Win-Situation, weil man flexibel als Arbeitgeber:in ist, Gleichstellung fördert und sozial agiert.

Vor FEMNA, hast du ja schon Ruby Cup gegründet. Du und Dein Team habt Menstruationshygieneprodukte vertrieben und damit unter anderem die Bildung von Mädchen in Ostafrika unterstützt. Du hast an anderer Stelle davon berichtet, dass sich daraufhin sehr viele Frauen bei Euch gemeldet haben, die medizinischen Rat gesucht haben. Das hat Dich dann schlussendlich auf die Idee gebracht, FEMNA zu gründen. Klingt so, als wäre es bei Dir auch so, dass es für Dich selbst ein Motivationsschub ist, wenn man ein Thema hat, für das man brennt und dann auch die Chance ergreift, es anzugehen.

 

Total, da wird ganz viel Kreativität freigesetzt. Das ist für mich glaub ich auch der Grund oder die Ursache dafür, dass ich überhaupt gegründet habe. Naja, dass ich für mich diese Freiheiten und Flexibilität haben wollte. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, anders zu arbeiten. Wenn ich mir die Geschichten von meiner Schwester anhöre, wie abhängig sie und ihr Karriereweg von der Chefärztin im Krankenhaus ist. Da wird nur ganz selten negatives oder einfach konstruktives Feedback gegeben, sonst hat das unter Umständen negative Konsequenzen und man verbaut sich den Weg zum:r Facharzt:ärztin. So entsteht eine extreme Abhängigkeit und auch Homeoffice oder 50-80 Prozent arbeiten ist kaum möglich. Die Start-Up Szene funktioniert da ganz anders. Da sieht man ganz deutlich die Unterschiede, die es in Bezug auf Arbeitskultur, Umgang, Wertschätzung und die Art des Feedbacks in Deutschland immer noch gibt. Gerade in Krankenhäusern herrscht noch eine recht ausgeprägte Blame Culture, in der Fehler nicht zugegeben werden, sondern die Schuld anderen  zugewiesen wird.

Da meintest Du ja vorhin schon, dass FEMNA da in gewisser Weise eine Vorreiterrolle einnimmt.

Genau, FEMNA versucht es anders zu machen. Wir wollen die Medizinbranche, Gesundheit und vor allem Frauengesundheit neu denken. Dafür bietet die Telemedizin ganz tolle Möglichkeiten. Ich glaube auch, wir sind da ein Beispiel, an dem sich Leute orientieren. Ein toller Nebeneffekt ist für uns natürlich, dass wir die besten Ärztinnen erreichen, weil die eben in Krankenhäusern oft an ihre Grenzen stoßen.

Merkst Du denn auch zum Beispiel in Bezug auf Kooperationen, dass sich in der Branche etwas tut?

Ja, also Kooperation machen wir viel über Social Media. Aber was mir aktuell eher vorschwebt, wäre eine Kooperation z.B. mit der Charité. Da könnten wir das Thema Gendermedizin begleiten und vorantreiben, schließlich können wir auf viele Daten, also Erfahrungen von Kund:innen, zu Symptomen und wie sie das für sich selbst erfahren, zurückgreifen. Das könnte man sicher auch in aktuelle Forschungen einfließen lassen. Bald haben wir ein großes Interview mit Professorin Dr. Silvia Thun. Sie ist Vorreiterin in der Gendermedizin in Deutschland und forscht dazu, wie man Frauen in der Datenerhebung besser repräsentieren, also die Data Gap verringern kann. Ich bin schon sehr gespannt, was da rauskommt.

Das klingt aufregend, da wünschen Wir von New Work Women Dir und allen von FEMNA viel Erfolg!


Interview: Anna Bennecke
Mehr zur Interviewpartnerin:
Maxie Matthiessen, wohnhaft in Berlin. Geb. 24.04.194, Mutter von Zwillingen. M.Sc. in Business & Politics von der Copenhagen Business School.
Maxie Matthiessen ist eine deutsche Jungunternehmerin. Sie ist mehrfach ausgezeichnet - zuletzt mit dem Victress Award für führende Frauenvorbilder in Deutschland - und hat unternehmerische Erfahrung in Ostafrika und Europa. Ihre erst Gründung, Ruby Cup, entstand an der Copenhagen Business School. Das Unternehmen vertreibt Menstruationshygieneprodukte und ist Vorreiter des „Buy One, Give One“ Models, welches den Verkauf von Produkten mit einer Spende vereint. Ruby Cup unterstützt die Bildung von Mädchen in Ostafrika. Mitte 2016 hat Maxie ihr zweites FemTech Unternehmen, FEMNA HEALTH, gegründet.

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