Interview: FAIRE SHARE of Women Leaders

... ein feministisches Unternehmen stellt sich vor!

FAIR SHARE of Women Leaders e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der in Deutschland registriert ist und weltweit arbeitet. Ihr Ziel ist es, neue Formen von Organisationsführung zu erproben und vorzustellen, die feministische Werte und Prinzipien widerspiegeln und einige der Fallstricke von Machtungleichgewicht, Hierarchie und Bürokratie von “traditioneller Organisationsführung” überwinden.

An dieser Stelle vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

Foto: Helene Wolf | Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende (she/her)

Was ist Ihrer Meinung nach ein feministisches Unternehmen?

Eine feministische Organisation setzt sich sowohl nach außen und nach innen mit feministischen Prinzipien auseinander und will sich in ihrem Handeln tagtäglich danach ausrichten. Dabei geht es nicht nur darum, dass Frauen gleichberechtigt sind und nur Frauen feministische Organisationen leiten können. Vielmehr geht es um eine Haltung, die Repräsentation, Diversität und Inklusion in den Mittelpunkt stellt. Der Unterschied zu anderen „new work“-Ansätzen ist genau diese politische Haltung, dieser „purpose“, durch das eigene Handeln zu mehr (Geschlechter-)Gerechtigkeit beitragen zu wollen.

Betrachten Sie sich selbst als ein feministisches Unternehmen, wenn ja: warum?

Wir streben täglich an, eine feministische Organisation zu sein. Dies ist eine kontinuierliche Lernreise und es gibt keinen Endpunkt. Wir setzen uns zum einen für feministische Ziele ein: eine faire und diverse Repräsentation von Frauen in Führung in NGOs und Stiftungen. Zum anderen versuchen wir intern eine feministische Führungskultur zu erkunden und zu leben. Das heißt zum Beispiel, dass wir uns gezielt mit Privilegien und Macht auseinandersetzen – in unseren Programmaktivitäten und im Team. Dazu müssen wir erst noch sehr viel wieder verlernen, was wir durch traditionelle Arbeits- und Organisationsstrukturen jahrelang verinnerlicht haben. Wir sind nahezu jeden Tag herausgefordert, unsere eigene Arbeitsweise zu hinterfragen – als Menschen und als Organisation.

Gibt es Aspekte der Themen Diversität, Inklusion und Gleichstellung, die Sie als besonders wichtig erachten?

Ich nehme wahr, dass Personen und Organisationen sich zunehmend mit Geschlechtergerechtigkeit beschäftigen. Dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass Frauen keine homogene Gruppe sind, sondern oftmals Mehrfachdiskriminierung ausgesetzt sind. Daher ist eine intersektionale Perspektive, also das Bewusstsein für die komplexen Zusammenhänge zwischen Geschlecht, Herkunft, race, Bildung und vielen weiteren Aspekten, für mich entscheidend. Um nachhaltig und tiefgreifend unsere Organisationen und Herangehensweisen zu verändern, müssen wir Feminismus inklusiv und intersektional definieren und leben.

Haben Sie Beispiele, wie Sie Diversität in Ihrem Unternehmen etabliert haben?

Wir sind erst zwei Jahre alt und ein kleines Team. Als wir letztes Jahr zwei Stellen besetzen konnten, haben wir explizit Women of Colour angesprochen, sich zu  bewerben. Wir haben eine Stellenbeschreibung für Personen entworfen, die andere, vorher nicht  repräsentierte, Perspektiven einbringen und uns herausfordern wollen, sodass wir uns als Team und Organisation gleichermaßen weiterentwickeln. Für diese Ausschreibung haben wir sehr viel positives Feedback bekommen und zwei herausragende Kolleginnen  gefunden.

Welche Tipps möchten Sie unserer Community mit auf den Weg geben?

Wir würden gerne allen Mut machen, sich mit feministischen Führungs- und Organisationsprinzipien  auseinanderzusetzen. Wir haben dazu erste Vorschläge entwickelt und möchten diese nun zusammen mit Menschen und Organisationen weiterentwickeln. Wir sehen den ersten Schritt darin, bestehende eigene Vorstellungen von Führung zu hinterfragen. Jede:r kann mit diesen Ansätzen experimentieren: zum Beispiel beim nächsten Team Meeting bewusst Zeit für Reflektionen und verschiedene Perspektiven schaffen oder die nächste Projektleitung an eine etwas weniger Erfahrene, aber dafür vielleicht innovativere Kollegin vergeben.


Interview: Anna Bennecke

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