Anerkennung von Familienkompetenzen

Interview mit Heike Rosenberg

Heike Rosenberg ist als Personalreferentin für die IKK Südwest tätig, wo sie auch den Fachkreis "IKK, meine Familie & ich" und das Projekt zur Einführung der digitalen Personalakte leitet. Darüber hinaus arbeitet sie selbstständig als Beraterin für den ProfilPASS und Kompetenz-Transfer für Unternehmen. Da Heike  sich selbst zwischen ganz verschiedenen Welten - Arbeit, Hausaufgaben und Laternen basteln - befindet, ist ihr die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf sehr wichtig.


Welche Mission verfolgst Du? Was möchtest Du vorantreiben? Was soll sich verändern?

Meine Mission ist es, die Kompetenzen, die wir alle in unseren privaten Lernorten entwickeln, sichtbarer zu machen! Häufig werden nur die Kompetenzen, die wir bei der Arbeit oder durch externe Seminare und ähnliches ent- oder weiterentwickeln anerkannt. Hier gibt es hübsche Zertifikate. Wir alle erwerben jedoch in unseren privaten Lernorten, wie z. B. durch unsere Elternschaft, durch die Pflege von Angehörigen, durch Ehrenämter, Sport oder Vereinstätigkeiten Kompetenzen, die auf den Arbeitsplatz übertragbar sind. Diese werde in den Unternehmen jedoch häufig nicht er- bzw. anerkannt, obwohl sie in großen Teilen eben jenen Kompetenzen entsprechen, die wir für die Arbeitswelt 4.0 benötigen!

 

Mir ist es wichtig, dass Unternehmen mehr Bewusstsein für die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter*innen entwickeln. Die Erkennung und Anerkennung von Kompetenzen aus privaten Lernorten bedeutet eben auch, mehr Respekt vor den privaten Leistungen der Mitarbeiter*innen zu zeigen und diesen einen höheren Stellenwert einzuräumen. Meines Erachtens ist das der Weg der Zukunft.

Mit welchen drei Hashtags lässt sich Deine Mission zusammenfassen?

#Familienkompetenzen

#DukannstmehralsDudenkst

#KompetenzTransfer

Wie bist Du auf Deine Mission gestoßen? Wodurch hast Du Feuer gefangen? Was treibt Dich an?

Beruflich koordiniere ich unter anderem den Wiedereinstieg von Mitarbeiter*innen in Elternzeit. Oft fragen mich die Mitarbeiter*innen, ob sie nun – da sie meist in Teilzeit wiederkommen – nur noch Mitarbeiter*innen 2. Klasse sind, ob sie ihre Aufgaben und Verantwortungen oder auch Projekte wiederbekommen oder nur noch da eingesetzt werden, wo lt. der Personalbemessung noch Platz ist.

 

Insbesondere die Frauen fragen mich, ob nun ihre Karriere vorbei ist bzw. welche Karrierechancen sie noch hätten, ob sie wieder als Führungskraft eingesetzt werden oder nun für immer den Stempel „Mutti“ auf der Stirn hätten. Und leider passiert genau das in vielen Unternehmen. Viele Frauen verschweigen ihre Elternzeiten, aus Angst der Stigmatisierung und Diskriminierung.

 

All diese Fragen sind nicht neu und es ist mehr als deutlich, wo Deutschland hier noch steht.

Doch diese Mitarbeiter*innen hatten keinen Erziehungs“urlaub“, sie haben sich neuen Gegebenheiten gestellt und auf intensivste Art und Weise gelernt. Übrigens auch Mitarbeiter*innen, die Zuhause ihre Angehörigen pflegen und ein Ehrenamt nachgehen, ihren Sport ausüben oder in Vereinen tätig sind.

 

Mir hat es keine Ruhe gelassen, dass die privaten Lernorte in der Arbeitswelt und auch in der Literatur kaum Beachtung geschenkt werden. Viele argumentieren hier, dass es doch egal wäre, wo sie die Kompetenzen erwerben. Da kann ich nicht mitgehen, da die Anerkennung der privaten Lernorte eben auch bedeutet, dass diese einen anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft einnehmen. Beispielsweise durch die Anerkennung der Kompetenzen, die Mitarbeiter*innen durch die Pflege ihrer Angehörigen erwerben, wir meines Erachtens auch die private Pflege aufgewertet und trägt dazu bei, dass die Pflege enttabuisiert wird.

Welche Schritte bist Du bereits gegangen? Was hat sich verändert? Was waren dabei Deine größten Highlights?

Mit meiner Freundin Anja Piroth habe ich ein Seminar entwickelt, bei dem die Mitarbeiter*innen ihre Kompetenzen aus ihren privaten Lernorten herausarbeiten und auf den Arbeitsplatz übertragen. Parallel dazu gibt es auch einen Workshop für Führungskräfte, die die Messbarkeit von Kompetenzen am Arbeitsplatz erlernen und die Übertragung der Kompetenzen am Arbeitsplatz begleiten. 

 

Auch habe ich mich mit diesem Thema auch selbstständig gemacht. Ich bekomme Anfragen von Privatpersonen sowie von Unternehmen, die eine ProfilPASS-Beratung oder auch den Kompetenz-Transfer in ihrem Unternehmen einführen wollen. Ferner habe ich hierzu meinen ersten Blogartikel geschrieben und veröffentlicht.

 

Bei der Bundestagung von BPW Germany als Clubfrau von BPW Saarbrücken habe ich einen Workshop zu den informellen Kompetenzen aus privaten Lernorten angeboten und bin als Referentin zu dem Thema bei mehreren Veranstaltungen bereits auftreten. 

 

Ich versuche, das Thema in den sozialen Medien oben zu halten und stets weiterzuverfolgen, indem ich die Koryphäen in meiner Timeline befrage und die Ergebnisse veröffentliche. Es ist toll zu sehen, welche positiven Rückmeldungen ich immer wieder bekomme und freue mich sehr, dass mein erster Blogbeitrag viele positive Reaktionen ausgelöst hat.

Was hast Du dabei gelernt? Wie bereichert Dein Engagement Dich, Dein Leben oder Deine Arbeit?

Ich habe gelernt, dass viele Menschen selbst nicht immer einschätzen können, welche Kompetenzen sie aus ihren privaten Lernorten mitgenommen haben und diese zunächst nicht als Plus in ihrem Werdegang wahrnehmen.

 

Ich habe weiter gelernt, dass sich Führungskräfte bei der Messung von Kompetenzen oder auch mit einem stärkenorientierten Führungsstil schwer tun und noch ganz viele Bretter zu bohren sind, um ein Bewusstsein für die bereits vorhandenen Kompetenzen von Mitarbeiter*innen aus privaten Lernorten zu erreichen.

Es erfüllt mich, gemeinsam mit meinen Klient*innen ihre Kompetenzen zu erkennen und ihre Ziele mithilfe ihrer Kompetenzen zu erreichen.

Was gibt es noch zu tun? Was willst Du noch erreichen? Was sind Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt?

Die Er- und Anerkennung der Kompetenzen aus den privaten Lernorten und die Übertragung auf dem Arbeitsplatz steckt meines Erachtens in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Es ist noch einiges zu tun, um ein Bewusstsein zu erzielen. Es fehlt dem Thema wohl der Glamoureffekt, die Stakeholder – noch wird es als „soziales wischiwaschi“ Thema angesehen! Ich möchte auch weiterhin über meine Erfahrungen berichten und die vielen tollen Experten da draußen befragen und sichtbar machen und Unternehmen, wie auch Privatpersonen, unterstützen, ihre Kompetenzen zu entdecken und ihre Ziele zu erreichen.

Was rätst Du anderen, die ihre persönliche Mission noch suchen oder oder sich noch nicht getraut haben ihrer Mission zu folgen?

Es ist wichtig, ein Thema zu haben, bei dem man aufgeht, dass einem Freude bereitet und das einen nicht loslässt. Tausche Dich dazu in den sozialen Medien aus, guck, was Dein Feuer entfacht und verfolge es. Egal, wie „schick“ Dein Thema ist, welche Gurus sagen, dass es nicht wichtig oder gar falsch wäre. Lass Dich nicht beirren und gehe konsequent Deinen Weg. Und vor allem: Such Dir Verbündete, die Deine Idee mitverfolgen.

Suchst Du noch Unterstützer oder Verbündete? Dann kannst Du hier noch einen Aufruf starten. Füge auch gerne Links ein.

Immer! Ich freue mich über jede Form der Unterstützung: Über das Teilen oder Retweeten meiner Blogs oder meiner Homepage, über hilfreiche Kommentare, über Empfehlungen, insbesondere über tolle Kontakte für mein Netzwerk. Am meisten freue ich mich, wenn den #Familienkompetenzen einen Raum gegeben werden und so weiterverbreitet wird.



Du willst Deine Geschichte  mit #NewWorkWomen teilen? Hier geht es zum Fragebogen "Meine Mission".


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